Aufbau einer ArcGIS-Server-Site
ArcGIS Server, die Ressource von ArcGIS Enterprise, stellt geographische Informationen, Analysen und Produkte Ihrer Organisation über die von Ihnen verwaltete Infrastruktur im Web zur Verfügung.
Desktop-Produkte wie Kartendokumente, Geoverarbeitungswerkzeuge und Adressen-Locators werden in ArcGIS Server veröffentlicht, damit sie zu GIS-Services werden, die Ihrer Organisation innerhalb ihrer Firewall und optional dem breiteren Internet zur Verfügung stehen. Auf diese Services kann in Web-Clients, von Map Viewer- bis hin zu mobilen Anwendungen, zugegriffen werden. Außerdem erleichtern sie die gemeinsame Verwendung von Ressourcen auf allen Clients, auch auf denjenigen ohne spezielle GIS-Software.
In diesem Thema werden die Struktur und Funktionen von ArcGIS Server aus der Sicht eines Administrators erläutert.
Verbundene und eigenständige Sites
Sie können ArcGIS Server als eigenständiges System bereitstellen, um Ihren Benutzern einfach GIS-Services zur Verfügung zu stellen. Es lässt sich auch als umfassende Web-GIS-Bereitstellung in die ArcGIS Enterprise-Plattform Ihrer Infrastruktur integrieren.
Diese Integration erfolgt durch das Verbinden einer oder mehrerer ArcGIS-Server-Sites mit ArcGIS Enterprise. In einer solchen Bereitstellung können die Benutzer leistungsstarke und ansprechende Produkte auf der Grundlage von ArcGIS-Server-Services erstellen und diese einfach über Karten und Apps freigeben.
Ihre GIS Professionals können beispielsweise eine Karte mit mehreren Layern in ArcGIS Pro erstellen und sie als Webkarte, die als ArcGIS-Server-Kartenservice unterstützt wird, freigeben. Von dort aus können sie aus einigen der Layer eine Web-App erstellen und sie als öffentliche Ressource in Ihre Website einbetten. In einem anderen Fall stattet Ihre GIS-Abteilung die Außendienstmitarbeiter möglicherweise mit einer mobilen App aus und ermöglicht ihnen das Hinzufügen und Aktualisieren von Features auf einer gemeinsamen Webkarte, die von einem ArcGIS-Server-Feature-Service unterstützt wird.
Sicherheit und Zugriff
Wird ArcGIS Server als eigenständiges System bereitgestellt, steuert es seine Freigabe- und Sicherheitsmodelle. Administratoren können Einstellungen wie die Zugriffssteuerung, Berechtigungen zum Veröffentlichen und Protokolle zum Webdatenverkehr in der browserbasierten Anwendung ArcGIS Server Manager, die mit ArcGIS Server installiert wird, und programmgesteuert über das ArcGIS-Server-Administratorverzeichnis ändern. Die Autorisierung und Authentifizierung von Benutzern bei der eigenständigen Site kann über den integrierten ArcGIS Server-Identitätsspeicher oder den externen Identity-Provider Ihrer Organisation erfolgen.
Wenn ArcGIS Server mit ArcGIS Enterprise verbunden wird, übernimmt es die Freigabe- und Sicherheitsmodelle des Portals. Einige Sicherheitseinstellungen sind jedoch weiterhin auf ArcGIS-Server-Ebene konfigurierbar.
Weitere Informationen zum Herstellen von Verbindungen und zur Funktionsweise verbundener ArcGIS-Server-Sites finden Sie unter Verbinden einer Server-Site.
Komponenten von ArcGIS Server
Eine ArcGIS-Server-Site besteht aus mehreren Komponenten, die optional auf mehrere Computer verteilt werden können, um so die Rechenleistung zu erhöhen. Jede Komponente der Site erfüllt eine bestimmte Funktion bei der Verwaltung der Ressourcen, die einer Gruppe von Services zugewiesen sind.
Die Komponenten einer ArcGIS-Server-Site können folgendermaßen zusammengefasst werden:
Webserver: Der Webserver hostet Webanwendungen und bietet optional Vorteile im Bereich Sicherheit und Lastverteilung für ArcGIS Server.
ArcGIS Web Adaptor: Dient zum Integrieren von ArcGIS Server in den Webserver Ihres Unternehmens und leitet eingehende Anforderungen an die verschiedenen ArcGIS-Server-Computer weiter.
ArcGIS Server: Antwortet auf die Anforderungen, die an die GIS-Web-Services übermittelt wurden. Über ArcGIS Server können Karten gezeichnet, Werkzeuge ausgeführt, Bilddaten bereitgestellt, Datenbanken synchronisiert, Geometrie projiziert, Daten gesucht und viele weitere von ArcGIS bereitgestellte Vorgänge durchgeführt werden.
Webserver
Der Webserver hostet Webanwendungen und bietet optional Vorteile im Bereich Sicherheit und Lastverteilung für die ArcGIS-Server-Site. ArcGIS Server ist mit vielen gängigen Webservern kompatibel, z. B. mit Internetinformationsdienste (Internet Information Services, IIS), WebSphere und WebLogic.
ArcGIS Web Adaptor
ArcGIS Web Adaptor ist eine Webanwendung, die Anforderungen Ihres Webservers an ArcGIS Server weiterleitet. ArcGIS Web Adaptor protokolliert die in Ihrer Site hinzugefügten (und entfernten) Computer und leitet Transaktionen entsprechend weiter. ArcGIS Web Adaptor ermöglicht es Ihnen, einen eigenen Namen für Ihre Site festzulegen, anstatt den Standardnamen arcgis zu verwenden. ArcGIS Web Adaptor ermöglicht es Ihnen außerdem, die nativen Funktionen Ihres Webservers für Sicherheit zu nutzen, und kann externe Verbindungen mit ArcGIS Server Manager und dem ArcGIS-Server-Administratorverzeichnis blockieren.
Bei Eingang einer Web-Service-Anforderung leitet ArcGIS Web Adaptor die Anforderung an einen der ArcGIS-Server-Computer weiter. Sollte ArcGIS Web Adaptor feststellen, dass ein ArcGIS-Server-Computer nicht verfügbar ist, wird das Weiterleiten von Anforderungen an diesen Server eingestellt.
Andere Internet-Gateway-Optionen
ArcGIS Web Adaptor ist nicht die einzige Möglichkeit, ein Internet-Gateway bzw. einen Einstiegspunkt für Ihre Site zu konfigurieren. Andere unterstützte Internet-Gateway-Technologien sind z. B. HTTP Load Balancer, Netzwerkrouter und Drittanbietersoftware für das Load-Balancing. In einer Cloud-Umgebung von Amazon Web Services (AWS) kann der Amazon Elastic Load Balancer (ELB) beispielsweise als Web-Gateway fungieren. Wenn Ihre Organisation bereits über Technologie verfügt, die die Aufgabe eines Internet-Gateways erfüllt, kann diese zumeist für die Zusammenarbeit mit ArcGIS Server angepasst werden.
Aus Sicherheitsgründen sollten Ihre Benutzer für den Zugriff auf die ArcGIS-Server-Site stets ein Internet-Gateway verwenden, sei es ArcGIS Web Adaptor oder ein Load Balancer eines Drittanbieters. Benutzer sollten nie eine direkte Verbindung mit ArcGIS Server über Port 6443 oder 6080 herstellen.
Hinweis:
Ab ArcGIS Enterprise 11.5 ist der administrative Zugriff auf die ArcGIS-Server-Site über Web Adaptor standardmäßig aktiviert und kann nicht deaktiviert werden Für ArcGIS Enterprise-Bereitstellungen mit Internetverbindung sollten Sie anstelle von Web Adaptor einen produktionsreifen Load Balancer mit Web Application Firewall (WAF) als Front-End in Betracht ziehen. Weitere Informationen finden Sie im ArcGIS Enterprise Hardening Guide.
ArcGIS Server
Eingehende Web-Service-Anforderungen für Karten, Adressenkoordinaten, Geoverarbeitungsaufträge usw. werden jeweils einem verfügbaren ArcGIS-Server-Computer in der Site zugewiesen. Auf diesem ArcGIS-Server wird dann die Karte gezeichnet, die Adressenkoordinate gesucht, das Geoverarbeitungswerkzeug ausgeführt usw. und das Ergebnis an den Client zurückgegeben. ArcGIS-Server-Computer sind im Wesentlichen die "Arbeitsplätze" der Site.
Sie müssen möglicherweise die ArcGIS-Server-Site so konfigurieren, dass mehrere ArcGIS-Server-Computer eingesetzt werden. So können Sie sich vor Ausfallzeiten schützen, falls einer der Computer nicht erreichbar sein sollte. Wenn ein Computer (geplant oder ungeplant) offline geht, kann Web Adaptor eingehende Anforderungen weiter an die restlichen ArcGIS-Server-Computer der Site verteilen.
Die oben aufgeführten Komponenten einer ArcGIS-Server-Site können sich auf demselben physischen Computer befinden und für Entwicklungs- und Testzwecke sowie für die Unterstützung kleinerer Bereitstellungen genutzt werden. Unter Bereitstellungsszenarien finden Sie weitere Informationen zu empfohlenen Architekturen für kleine und große Sites.
Die oben aufgeführten Komponenten einer ArcGIS-Server-Site können sich auf demselben physischen Computer befinden und für Entwicklungs- und Testzwecke sowie für die Unterstützung kleinerer Bereitstellungen genutzt werden. Unter Bereitstellungsszenarien finden Sie weitere Informationen zu empfohlenen Architekturen für kleine und große Sites.
Konfigurationsspeicher
Für jede ArcGIS-Server-Site ist ein Ordner als Konfigurationsspeicher angegeben, der alle Eigenschaften der Site und ihrer Services enthält. Den Speicherort des Konfigurationsspeichers geben Sie beim Erstellen der Site an. Bei einer Site mit mehreren Computern greifen die ArcGIS-Server-Computer über ein freigegebenes Netzwerkverzeichnis oder einen Cloud-Service auf den Konfigurationsspeicher zu. Bei einer Site mit mehreren ArcGIS-Server-Computern wird empfohlen, den Konfigurationsspeicher auf einem eigenen fehlertoleranten Dateiserver (von den ArcGIS-Server-Computern getrennt) oder in einem Cloud-Service abzulegen.
Serververzeichnisse
Ein Serververzeichnis dient speziell für eine ArcGIS-Server-Site zum Speichern und Schreiben bestimmter Informationen. Es gibt Serververzeichnisse zum Speichern von Caches, Ausgabedaten, Aufträgen, Systemdateien, Uploads, Eingabedaten, KML und Indizes. Wenn Sie eine Site erstellen, werden eine Reihe von Serververzeichnissen an einem von Ihnen festgelegten Speicherort erstellt. Bei der Bereitstellung einer Site mit mehreren Computern in einer lokalen Umgebung muss dies ein freigegebenes Netzwerkverzeichnis sein. In Cloud-Umgebungen können Sie alternativ einen Cloud-Service nutzen.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Serververzeichnissen finden Sie unter Serververzeichnisse.
Von ArcGIS Server gestartete Prozesse
Folgende Betriebssystemprozesse werden auf allen ArcGIS-Server-Computern ausgeführt, die gestartet werden und an einer Site beteiligt sind:
Zwei Java-Prozesse
Ein ArcGISServer.exe-Prozess
Ein arcsoc-Prozess für jede ausgeführte Service-Instanz. Eine Ausnahme bilden die Geoverarbeitungsservices, die zwei arcsoc-Prozesse pro laufende Instanz aufweisen. Beachten Sie, dass einige dieser Prozesse für interne Systemservices und nicht für Services vorgesehen sind, die von Ihren Benutzern veröffentlicht wurden.
Ein ArcSOC.exe-Prozess für jede ausgeführte Service-Instanz. Eine Ausnahme bilden die Geoverarbeitungsservices, die zwei ArcSOC.exe-Prozesse pro laufender Instanz aufweisen. Beachten Sie, dass einige dieser Prozesse für interne Systemservices und nicht für Services vorgesehen sind, die von Ihren Benutzern veröffentlicht wurden.
Ein rmiregistry-Prozess
Ein rmiregistry.exe-Prozess
Ein xvfb-Prozess
Ein javaw.exe-Prozess. Dieser bietet grundlegende Anwendungsserverfunktionen und die Möglichkeit zum Hosten von Web-Services.
Ein wineserver-Prozess
Ein conhost.exe-Prozess und ein cmd.exe-Prozess. Dies sind zusätzliche Prozesse, die von Windows gestartet werden, um Konsolendienste für ArcGIS-Server-Prozesse bereitzustellen.
Ein explorer.exe-Prozess
Sie können im Windows-Task-Manager in der Spalte "Prozesse" prüfen, ob ein Prozess vom Typ "javaw.exe" ArcGIS Server zugeordnet ist. Wenn der Pfad das ArcGIS-Installationsverzeichnis enthält, ist der Prozess ArcGIS Server zugeordnet. Sie erhalten weitere Informationen zu den einzelnen Prozessen, indem Sie den vollständigen Befehl überprüfen.
Der Windows-Service ArcGIS Server stellt den ArcGIS-Server selbst dar. Wenn Sie diesen Service beenden, werden auf dem Computer ArcGIS Server sowie alle ausgeführten Service-Instanzen beendet.
Die ArcGIS-Server-Site
Eine ArcGIS-Server-Site ist ein Verbund aus einzelnen Computern, die so konfiguriert sind, dass sie zu gleichen Bedingungen zusammenarbeiten. Bei der anfänglichen Erstellung besteht eine Site aus einem Computer. Mithilfe der Operationen Mit Site verbinden oder Computer registrieren können der Site weitere Computer hinzugefügt werden.
Eine ArcGIS-Server-Site ist ein Verbund aus einzelnen Computern, die so konfiguriert sind, dass sie zu gleichen Bedingungen zusammenarbeiten. Bei der anfänglichen Erstellung besteht eine Site aus einem Computer. Mithilfe der Operationen Mit Site verbinden oder Computer registrieren können der Site weitere Computer hinzugefügt werden.
Auf den einzelnen Computern der Site werden sämtliche für die Site veröffentlichten Services ausgeführt. Wird einem Service eine Anforderung vom Web Adaptor oder Load Balancer der Site zugewiesen, kann diese von jedem Service bearbeitet und verarbeitet werden. Eine einzelne Anforderung wird vollständig von dem Computer bearbeitet, dem sie zugewiesen ist. Wenn dieser Computer die Anforderung nicht abschließen kann, schlägt der Vorgang fehl, anstatt die nicht abgeschlossene Anforderung an einen anderen Computer der Site weiterzuleiten.
Die Ausnahme zum Muster "eine Anforderung, ein Computer" bildet ArcGIS Image Server, der die Verarbeitung der Serviceanforderungen auf mehrere Computer verteilt, um umfangreiche Analyse-Tasks angehen zu können.
Service-Instanzen
Zum Verarbeiten einer Serviceanforderung verwendet der zugewiesene ArcGIS-Server-Computer eine Instanz des Esri Serverprozesses ArcSOC.exe. Dieser Prozess führt die Anforderung auf dem Computer aus. Für jeden Computer Ihrer ArcGIS-Server-Site können Sie die derzeit ausgeführten Instanzen von ArcSOC.exe über den Task-Manager auf einem Windows-Computer oder über den Systemmonitor auf einem Linux-Computer anzeigen.
Hinweis: Geoverarbeitungsservices verwenden zwei ArcSOC.exe-Prozesse pro laufender Instanz. Alle anderen Service-Typen verwenden einen Prozess.
ArcSOC-Service-Instanzen sind nach Pools organisiert, deren Größe sich an den zu bewältigenden Datenverkehr anpassen lässt. Ein Service kann einen eigenen dedizierten Pool von Instanzen aufweisen, der nur seine eigenen Anforderungen bearbeitet. Die ArcGIS-Server-Site verfügt auch über einen gemeinsam genutzten Pool von Instanzen, dem mehrere Services hinzugefügt werden können. Für die Größe eines Pools von Instanzen sind zwei Einstellungen maßgeblich – eine minimale und eine maximale Anzahl von Instanzen –, die Administratoren in ArcGIS Server Manager festlegen können. Die tatsächliche Anzahl der Instanzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeführt werden, wird in diesem Bereich festgelegt, ist jedoch je nach aktuellem Datenverkehr unterschiedlich.
Der Pool für geteilte Instanzen bietet eine Lösung, um von ArcGIS Server verwendeten Speicherplatz auf dem Computer freizugeben. Dabei wird die Anzahl der nicht verwendeten ArcSOC-Instanzen, die auf den Computern der Site ausgeführt werden, reduziert. Er ist für Services vorgesehen, die keine konstanten Anforderungen oder keine hohe Anzahl von gleichzeitigen Anforderungen empfangen.
Vor der Einführung des Pools für geteilte Instanzen bestand die Methode zum Reduzieren unnötig ausgeführter Instanzen darin, die minimale Anzahl an Instanzen in einem dedizierten Pool auf Null festzulegen. Danach werden für einen Service, der in jüngster Zeit keine Anforderung empfangen hat, keine ArcSOC-Instanzen auf den Computern der Server-Site ausgeführt und somit Speicherplatz freigegeben. Dies stellt jedoch ein "Kaltstart"-Problem dar. Hierbei handelt es sich um eine Verzögerung der Reaktionszeit für die nächste Anforderung an den Service, während dieser eine neue ArcSOC-Instanz startet. Durch die Verwendung des Pools für geteilte Instanzen wird das "Kaltstart"-Problem vermieden, da stets ArcSOC-Instanzen für die Services verfügbar sind.
Weitere Informationen finden Sie unter Geteilte oder dedizierte Instanzen.